Wasser des Lebens – eine Reise im August 2017 nach Israel und Palästina

 

In dem heißen und Wasser armen Land haben wir – 33 Leute aus dem Kirchenkreis Neukölln und Umgebung – Wasser in vielfältiger Weise erlebt. Davon will ich Ihnen erzählen. Denn es war sehr beeindruckend.

Als Erstes sind wir in die Wüste, in den Negev, gefahren. Durch das Wadi Avdat – nahe der antiken Nabathäerstadt – sind wir zur Quelle gewandert. Eine Oase inmitten der Steinwüste. Überlebenswichtig für die Tiere. Eine Attraktion für Wandergruppen. Was für eine Erfrischung in dieser Sonnenglut.

50 Prozent des Staates Israel bestehen aus Wüste mit teilweise nur 30 mm Regenniederschlag im Jahr. Und doch ist die Vielfalt dieses kleinen Fleckchens Erde beträchtlich, das so groß wie das Bundesland Brandenburg ist. Diese will ich anhand unserer Wassererlebnisse verdeutlichen.

Zum Mittelmeer in der Nähe des christlichen Kibbutz Nes Amim hat uns ein palästinensischer Israeli begleitet, der mit anderen jüdischen Israelis in das neue Wohnprojekt des Kibbutz gezogen ist. In den Golanhöhen lockten uns zwei der drei Quellen des Jordan: Dan und die Banjasquelle, bevor wir in einem drusischen Restaurant einkehrten, das leider außer drusischem Essen nichts von der Kultur vermittelte.

Der See Genezareth faszinierte uns schon vom Bus aus. Nach jeder Kurve hat die eine und dann die andere Seite ihn aus dem Bus heraus fotografiert. Und am nächsten Tag konnten wir in das warme Wasser steigen. Doch wir staunten über den hohen Bootssteg! Ja, so hoch war die Oberfläche des Sees, als dieser gebaut wurde. Geschrumpft ist er nun und bedroht. Bedroht ist auch das Tote Meer. Wenn der Jordan wieder aus dem See Genezareth herausfließt, trägt er bis zum Toten Meer nur noch ein Fünftel seiner ursprünglichen Wassermengen – soviel wird ihm entnommen zur Versorgung der israelischen, palästinensischen und jordanischen Bevölkerung sowie deren Landwirtschaft.

Wasser – ein heißes Thema, das wir mit Palästinensern und Israelis, mit jüdischen und christlichen Frauen und Männern diskutierten und worüber wir viel erfuhren.

Die Wasserverteilung, die im Abkommen von 1994 zwischen Israel, Palästina und Jordanien (ebenso ein Land mit Wasserknappheit) geregelt wird, gehörte – wie die Zerstückelung der palästinensischen Gebiete und die dominierende Mauer – zur erschreckenden Seite dieses Landes. Doch gibt es Menschen, die auch in diesen Situationen Gutes bewirken. Wir hörten Engagierten von ECO-Peace zu. Sie organisieren, dass alle gemeinsam – jüdische, palästinensiche und jordanische Leute und Behörden – nach konkreten Lösungen vor Ort suchen. Teils ist es schwer, bei den vielen Verantwortlichen ein Verantwortungsbewusstsein zu erwecken, um Projekte voranzutreiben.

Wir erfuhren auch, dass die Israelis zur Bewässerung ihrer Plantagen und Gärten eine Technik entwickelt haben, die den notwendigen Bedarf der Pflanzen abdeckt ohne weiteres Wasser durch Verdunstung und Versickern zu verlieren. Entsalzungs- und Kläranlagen machen Wasser aus dem Mittelmeer, aus den Wasserreservoirs tief unter der Wüste und schon gebrauchtes Wasser nutzbar. Das israelische Wassersystem ist höchst effektiv und sparsam.

Der Umgang mit der knappen Ressource Wasser ist ein Thema, das sämtliche Bereiche betrifft: Umweltschutz, Wirtschaft, Politik und natürlich den Alltag, den die Menschen bewältigen.

Noch viel mehr ist zu erzählen. Vom Besuch in Hebron, von den arabischen und deutschen Gottesdiensten in Beit Sahur und Jerusalem, von Lifegate, der Rehastation für Kinder mit Behinderungen und die Auswirkungen auf die palästinensische Gesellschaft, von Yad Vashem, dem Mahane Yehuda und dem Schuk der arabischen Altstadt, von dem Kreuzweg auf der Via Dolorosa.

Doch zum Schluss komme ich noch einmal zurück zu den Wassererlebnissen. Das Baden im Gan Schloscha in den Sachnequellen war erholsam. Mitten in der Hitze eine wunderbare Oase. Dann das Tote Meer. Nach der Besichtigung der Ausgrabungs-Ergebnisse von Qumran war die Luft unerträglich heiß. Doch wir stiegen hinein ins Wasser, in dem keine Fische überleben, rieben uns mit Schlamm ein und ließen uns vom Salzgehalt tragen.

Am letzten Tag gab es noch ein besonderes Erlebnis. Im 8. Jahrhundert baute der König Hiskia den Zugang Jerusalems zur Gihonquelle zu einem Tunnel aus. Sehr eng. Bis zu 1,50 m niedrig, so dass man teils gebückt gehen musste. Das Wasser erreichte eine Höhe von 70 Zentimetern. Und wir wateten die 533 Meter hindurch. Die ersten panischen Schreckensminuten wichen. Wir sangen „Schweige und höre“. Und hörten nicht nur unseren beruhigenden Tönen zu, sondern auch dem Wasser, durch das wir hindurch schritten. Als wir endlich das Tageslicht sahen und den Siloah-Teich erreichten, waren alle glücklich – und nass. Doch wieder in der Hitze trocknete die Hose schnell.

Pfarrerin Karin Singha-Gnauck