Black Lives Matter

Black Lives Matter


# Aktuelles
Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Juni 2020, 19:57 Uhr
© über Andreas Schiel

„We have a dream“

So könnten wir als ökumenische Kirchen in der Gropiusstadt unser Bestreben und Herzensanliegen als christliche Gemeinden in der Gropiusstadt ausdrücken, um zu einem gelingenden Miteinander zu kommen. Wie bereits in den Juniausgaben unserer Gemeindebriefe berichtet, findet dies vielfältig statt. Umso wichtiger ist es gerade in dieser Zeit, dass wir uns die berühmte Rede von Martin Luther King am 28 August 1963, nicht nur Erinnerung rufen, sondern auch die Aktualität des immer noch schwellenden Rassismus vor Augen führen.

Pfarrer Ulli Helm, jahrelang als Pfarrer in der ev. Kirchengemeinde in der Gropiusstadt tätig - jetzt im Ruhestand - schreibt dazu:

Rassismus in den USA 57 Jahre nach Martin Luther Kings Rede, 

„Ich habe einen Traum“

Als am 28. August 1963 der große Marsch auf Washington mit Hunderttausenden schwarzer und weißer Teilnehmender seinen Zielort erreichte, da war das große gemeinsame Ziel des Kampfes für Bürgerrechte die Herstellung von Gerechtigkeit und Gleichheit für die Menschen aller Hautfarben.

Hinter dieser Sehnsucht und den Forderungen stand ein ganzes Zeitalter von Sklaverei und zum Himmel schreiendem Leid, von Rassismus, Diskriminierung und immer wieder gewalttätiger Exzesse gegen schwarze Menschen. Zum anderen aber stand dahinter das große Versprechen, dass dieses Amerika ein Land der Freiheit und der Demokratie für alle seine Bürger sein sollte.

An dieses Versprechen knüpft Martin Luther King an diesem Tag in seiner wohl berühmtesten Rede bei der großen Kundgebung vor dem Lincoln-Memorial an. Er trifft die Erfahrung seiner schwarzen Landsleute genau: „… der Schwarze (ist) noch immer hingeworfen in die Ecken der Amerikanischen Gesellschaft und erkennt, dass er in seinem eigenen Land im Exil lebt.“

Der Traum, von dem King nun spricht, ist der Traum, den das amerikanische Versprechen in die Herzen der Menschen gepflanzt hat – der Traum von Gerechtigkeit und Frieden, von der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und von der Achtung der Würde eines jeden einzelnen. Es ist der Traum von dem Tag, „an dem sich kleine schwarze Jungen und Mädchen und kleine weiße Jungen und Mädchen die Hände als Brüder und Schwestern reichen können.“

Tatsächlich hat die damalige Bürgerrechtsbewegung viel erreicht, doch 5 Jahre später war Martin Luther King tot. Ermordet mitten in einer politischen Kampagne. 2009 wurde der erste schwarze Präsident vereidigt, doch das große Übel des Rassismus lebt bis heute fort.

Im Jahr 2020 erleben die USA den größten Aufstand und die gewalttätigsten Unruhen seit Jahrzehnten; und ihre Ursache ist, wie es Martin Luther King auch in dieser Situation sicherlich wieder formuliert hätte, der teuflische Rassismus. Anders ist der Totschlag des US-Bürgers George Floyd durch Polizeigewalt nicht zu erklären. Und was bisher ganz undenkbar schien: die eigene Regierung und der Präsident selbst lassen sich dazu hinreißen, die Gewalt noch anzuheizen und die Gesellschaft zu spalten.

Die Welt scheint nicht weit genug gekommen zu sein in der Überwindung von Rassismus und Gewalt – weder in den USA noch in Europa und auch nicht bei uns in Deutschland. Darum bleiben die Worte Martin Luther Kings für die gesamte zivilisierte Welt jeden Tag gültige Sehnsucht: jetzt ist die Zeit, um Gerechtigkeit zu einer Wirklichkeit für alle Kinder Gottes zu machen. Diese Zeit ist immer. Auch im Sommer 2020.

Gebet von Rev. John Dorhauer, Präsident der United Church of Christ

Am 1. Juni ging Präsident Trumps zur St. John‘s Episcopal Church nahe dem Weißen Haus, um sich vor der Kirche mit der Bibel in der Hand fotografieren zu lassen. Diese Aktion und besonders die Tatsache, dass dafür friedliche Demonstranten mit Tränengas und Blendgranaten vertrieben wurden, hat zu Protesten seitens vieler amerikanischer Kirchen geführt. Rev. John Dorhauer, Präsident der United Church of Christ, hat in seinem Kommentar darauf hingewiesen, dass Trump zur Kirche ging, die Bibel hochhielt, aber nicht betete. Dorhauer hat – sozusagen als Antwort – folgendes Gebet verfasst:

„Gott, dessen Atem uns alle lebendig macht: 

Wir beten für alle, deren Atem mit Gewalt genommen wurde.

Gott, dessen Hand uns alle in deinem Bild erschaffen hat:

Wir bitten, beende die sinnlose und schändliche Verehrung weißer Privilegien und Bevorzugungen.

Gott, dessen Sohn die Wunden eines Weltreichs trug, das von einer Liebe bedroht wurde, die alle willkommen hieß: 

Hilf uns, unsere eigenen Wunden zu ertragen, wenn ein Weltreich mit unserem Angebot der Liebe und des Friedens aneinander gerät.

Und Gott, dessen Sohn kam, um die Mächtigen von ihren Thronen zu stürzen und die zu zerstreuen, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn: 

Möge das Stürzen und Zerstreuen, das nötig ist, damit dein Frieden (Shalom) vollständig verwirklicht wird, dort Bestand haben, wo Macht korrumpiert und Stolz zerfällt. Amen.“

(Übersetzung Andreas Schiel)