Veröffentlicht von Karin Singha-Gnauck am Do., 7. Mai. 2020 00:00 Uhr

Am Mittwoch hat es gegossen; aber wie! Sie erinnern sich sicherlich. Denn die letzten Wochen waren so sonnig, dass sich viele schon den Regen herbei gesehnt hatten. Und er war gut zu hören.

An diesem Nachmittag war ich in der Gemeinde und sah von meinem Schreibtisch dem Treiben des Regens zu. 'Wie gut, dass ich im Trockenen sitze', dachte ich. Doch dann sah ich, dass der Himmel aufbrach und Sonnenstrahlen durchschienen während es regnete. Und alle wissen, was das bedeutet. Und so ging ich raus in den Regen und suchte ihn. 

Da war dieses Naturwunder zu sehen. Ein wunderbarer Regenbogen erstreckte sich über unser Zentrum Dreieinigkeit. Was für ein faszinierendes Schauspiel!

Im ersten Buch Mose ist der Regenbogen das himmlische Zeichen dafür, dass trotz aller Zerstörung, die auf Erden geschieht, die Welt doch nicht zugrunde gehen soll. Und das Leben zeigt sich in einem bezauberndem Farbenspiel. 

Doch vorher lesen wir von einer unvorstellbaren Überflutung der Erde, in der die Erfahrungen von großen Umweltkatastrophen einflossen. Sie kennen die biblische Geschichte von der großen Sintflut, wie ein schreckliches Unwetter alles auf Erden zerstörte. Diese Geschichte scheint mir wie ein Spiegel der heutigen Zeit zu sein. 

Was für eine Zerstörung! Wie viele Menschen haben ihr Leben verloren. Wie viele bangen um ihr Leben. Wie viele Familien sind derzeit auseinander gerissen und leiden unter der Trennung und der Einsamkeit. Wie viele haben ihre berufliche Existenz verloren. Wie viele Frauen, Männer und Kinder sind derzeit verstärkt Gewalt, Ausgrenzung und Einsperrung ausgesetzt. Eine fürchterliche Zerstörung für Körper und Seele sowie für die ganze Welt. 

In der biblischen Geschichte retteten sich Noah und seine Familie, indem sie sich ein Schiff bauten, die Arche Noah. Auch Tiere nahmen sie mit. Dadurch überlebten sie. ‚Die Bösen‘ kamen um. Ich überlege, was sich heutzutage durchtragen wird. Die Fürsorge für einander, zu der wir in dieser schweren Zeit aufgerufen sind? Oder setzt sich der Stärkere durch? Menschenrechte und demokratisches Ringen um den politischen Weg? Oder siegen Diktaturen? Werden die unterschiedlichen Interessen besonnen ausgeglichen? Oder profitieren die Machtgierigen und Betrüger?

In der Arche Noah erkennt man nach langem Bangen, dass die Wassermassen zurückgehen. Wir machen das Sinken der Gefahr anhand der Reproduktionszahl fest. Wir lernen, mit dem Virus so zu leben, dass sich möglichst wenig anstecken und die medizinische Versorgung gesichert bleibt. In Deutschland ist bildlich gesprochen unsere Arche stabil auf dem Weg zu seinem Ziel. Gott sei Dank! 

Doch noch ist es nicht Zeit, auszusteigen. Auch Noah wartete weiter. Nach einiger Zeit schickte er erst einen Raben und später eine Taube los, die nach ‚Markern’ Ausschau halten sollten. Erst beim dritten Versuch kam die Taube mit einem Ölbaumzweig wieder, ein Hoffnungsschimmer, in absehbarer Zeit wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Nach einer weiteren Weile erhielten sie den lang ersehnten festen Grund. Dann warteten sie wiederum, bis die Erde trocken wurde und sie den Schutzraum Arche verlassen konnten. 

Als alle an Land waren und Gott für die Rettung gedankt hatten,  schloss Gott mit den Menschen einen Bund. Für die Menschen gab es Regelungen, wie ein gutes Miteinander gelingen kann. Und Gott selbst legte sich fest, dass er der Zerstörung Einhalt und die Welt bewahren wolle. Als Zeichen setzte Gott einen farbigen Bogen an den Himmel.

Dieser Regenbogen war über Dreieinigkeit sichtbar. Noch sind wir nicht auf sicherem Terrain. Und doch dürfen wir jetzt schon den Regenbogen sehen. Der Regen traf mit den Sonnenstrahlen zusammen. Das Unheil ist jetzt nicht mehr allein bestimmend. Der Himmel lockert auf. 

Das himmlische Geschenk erinnert uns daran, dass die Zerstörung nie vollkommen sein wird. Irgendwann werden wir uns wiedersehen, uns von dieser Zeit erzählen, mit einander lachen, in unseren Räumen Karten spielen, tanzen, Feste feiern, unser Maifest vielleicht mit unseren neuen Nachbarn im Ricamhospiz gestalten, unsere Lesungen und Ausstellungen nachholen…

Und bis dahin wollen wir sehen, was jeweils möglich ist, dass wir uns am Telefon austauschen, uns über Fenster und Balkone unterhalten, Gottesdienste im Internet und Fernsehen erleben, über die Distanz hinweg uns verbinden und beten, uns einzeln treffen und bald in kleiner Teilnehmerzahl Gottesdienste feiern. Die Botschaft dieses schillernden Wasser-Licht-Ereignisses lässt uns auf die unterschiedlichen Facetten des Lebens achten.

Dieses wunderbare Omen für unser Zentrum Dreieinigkeit, in dem wir uns seit Wochen so sehr zurückhalten müssen, verheißt uns die Vielfalt des Lebens und Gottes Willen, uns zu behüten. 

Getragen von Gottes Fürsorge grüße ich Sie herzlich

Ihre Pfarrerin

Karin Singha-Gnauck 

Kategorien Passion und Ostern